Cannabis: Wenn Kiffen Erbrechen auslöst

Schwere Übelkeit und unkontrollierbares Erbrechen galten lange nicht als typische Folgen von Cannabiskonsum. Neue Daten zeigen jedoch ein anderes Bild. In den USA explodieren die Notaufnahmen wegen einer spezifischen Erbrechensstörung bei jungen Menschen. Auch in Deutschland mehren sich Warnsignale. Das sogenannte Cannabinoid-Hyperemesis-Syndrom betrifft vor allem junge, chronische Konsumenten hochpotenter Cannabisprodukte. Die Kombination aus Legalisierung, steigender Wirkstoffkonzentration und unterschätzten Risiken macht CHS zu einem wachsenden Gesundheitsproblem mit hoher Relevanz für Medizin und Prävention.

Cannabis: Wenn Kiffen Erbrechen auslöst
Cannabis: Wenn Kiffen Erbrechen auslöst

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Cannabinoid-Hyperemesis-Syndrom (CHS) verursacht schwere, wiederkehrende Übelkeit und Erbrechen.
  • Die Fallzahlen in den USA stiegen zwischen 2016 und 2022 um über 650 Prozent.
  • Besonders betroffen sind junge Erwachsene zwischen 18 und 25 Jahren sowie Männer.
  • Langjähriger, hochdosierter Cannabiskonsum gilt als zentraler Risikofaktor.
  • Auch in Deutschland nehmen cannabisbedingte Notfälle deutlich zu.

Was ist das Cannabinoid-Hyperemesis-Syndrom (CHS)?

Das Cannabinoid-Hyperemesis-Syndrom ist eine durch langfristigen Cannabiskonsum ausgelöste Erkrankung, die zu wiederkehrender starker Übelkeit, heftigem Erbrechen und häufigen Krankenhausaufenthalten führt. Die Symptome bessern sich meist nur durch vollständigen Konsumstopp.

Was ist das Cannabinoid-Hyperemesis-Syndrom?

Das Cannabinoid-Hyperemesis-Syndrom ist eine spezifische Erkrankung, die ausschließlich im Zusammenhang mit chronischem Cannabiskonsum auftritt. Betroffene leiden unter zyklischen Phasen massiver Übelkeit, anhaltendem Erbrechen und starken Bauchschmerzen. Auffällig ist, dass klassische Medikamente gegen Übelkeit oft kaum wirken. Viele Patienten berichten, dass nur heiße Duschen oder Bäder kurzfristige Linderung verschaffen. Dieses Verhalten gilt inzwischen als typisches Warnsignal für CHS. Medizinisch wird das Syndrom noch häufig übersehen oder mit Magen-Darm-Infekten verwechselt. Die eindeutige Besserung tritt meist erst nach vollständigem Cannabisverzicht ein.

Explodierende Fallzahlen in den USA

Eine große Analyse von über 188 Millionen Notaufnahmen zeigt das Ausmaß des Problems. Zwischen 2016 und 2022 stiegen die CHS-Diagnosen um mehr als 650 Prozent. Besonders häufig betroffen sind junge Erwachsene im Alter von 18 bis 25 Jahren. Ihr Erkrankungsrisiko liegt rund 260 Prozent höher als bei älteren Altersgruppen. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen. Laut JAMA Network Open zählt CHS inzwischen zu den häufigsten Ursachen wiederkehrender Übelkeit bei jungen Menschen. Experten sprechen von einer klaren Folge zunehmender Cannabisverfügbarkeit.

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Warum Cannabis paradox Erbrechen auslöst

Cannabis ist bekannt für seine antiemetische Wirkung bei Übelkeit. Beim CHS kehrt sich dieser Effekt jedoch um. Die genauen Mechanismen sind noch nicht vollständig geklärt. Vermutet wird eine Überstimulation des Endocannabinoid-Systems durch dauerhaften THC-Konsum. Besonders hochpotente Produkte scheinen das Risiko weiter zu erhöhen. Gautham Oroskar betont, dass vor allem Dauer- und Hochdosisgebrauch problematisch ist. Je länger und intensiver konsumiert wird, desto höher steigt das Erkrankungsrisiko. Eine individuelle genetische Anfälligkeit wird ebenfalls diskutiert.

Wer besonders gefährdet ist

Nicht jeder Cannabiskonsument entwickelt ein CHS. Das Risiko steigt jedoch deutlich bei täglichem oder nahezu täglichem Konsum über mehrere Jahre. Junge Erwachsene sind besonders anfällig, da sie häufiger hochkonzentrierte THC-Produkte nutzen. Männer zeigen statistisch ein leicht erhöhtes Risiko. Auch Menschen mit früherem Beginn des Konsums sind stärker gefährdet. Fachärzte weisen darauf hin, dass viele Betroffene die Verbindung zwischen Cannabis und ihren Symptomen lange nicht erkennen. Dadurch verzögert sich die richtige Diagnose erheblich.

Bessere Diagnostik oder echte Zunahme?

Ein Teil des Anstiegs lässt sich durch verbesserte Diagnostik erklären. Ärzte und Patienten kennen CHS heute besser als noch vor einigen Jahren. Dennoch gehen Experten von einer realen Zunahme aus. Der leichtere Zugang zu Cannabis spielt dabei eine zentrale Rolle. Michael Gottlieb und Kollegen vermuten, dass Legalisierung und Produktvielfalt den Konsum intensivieren. Gleichzeitig steigen die THC-Konzentrationen moderner Produkte kontinuierlich. Beides verstärkt die gesundheitlichen Risiken.

Erste Alarmsignale aus Deutschland

Auch in Deutschland mehren sich Hinweise auf zunehmende cannabisbedingte Gesundheitsprobleme. Seit April 2024 erlaubt das neue Cannabisgesetz Erwachsenen den Erwerb größerer Mengen über Anbauvereinigungen. Ziel war eine bessere Kontrolle von Qualität und THC-Gehalt. Die Auswirkungen auf Notaufnahmen sind noch nicht abschließend bewertet. Eine Studie der Kaufmännischen Krankenkasse zeigt jedoch bereits 14,5 Prozent mehr Behandlungsfälle im Jahr 2024. Dazu zählen Rauschzustände, Abhängigkeit, Entzugssymptome und psychische Störungen. Experten warnen, dass CHS-Fälle bislang oft nicht gesondert erfasst werden.

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Übersicht: Zentrale Zahlen und Entwicklungen

Aspekt USA Deutschland
Zeitraum 2016–2022 2023–2024
Veränderung +650 % CHS-Fälle +14,5 % cannabisbedingte Behandlungen
Besonders betroffen 18–25 Jahre, Männer Junge Erwachsene
Hauptursache Chronischer, hochdosierter Konsum Steigender Konsum nach Legalisierung

Fazit

Das Cannabinoid-Hyperemesis-Syndrom ist kein Randphänomen mehr. Die drastische Zunahme schwerer cannabisbedingter Übelkeit in den USA zeigt, wie ernst die Folgen chronischen Konsums sein können. Deutschland steht erst am Anfang dieser Entwicklung. Frühzeitige Aufklärung, bessere Diagnostik und klare Warnhinweise sind entscheidend. Wer wiederholt unter Übelkeit leidet und regelmäßig Cannabis konsumiert, sollte die Verbindung ernst nehmen. Der wirksamste Schutz bleibt konsequent: Verzicht.

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