ADAC-Eklat: 5000 Mitglieder treten bisher aus – trotzdem keine Entschuldigung
Der Unmut unter Autofahrern wächst. Innerhalb kurzer Zeit sind rund 5000 Mitglieder aus dem ADAC ausgetreten. Auslöser waren Aussagen des ADAC-Verkehrspräsidenten Gerhard Hillebrand, der höhere Spritpreise als Anreiz für den Umstieg auf Elektroautos befürwortete. Viele der 22 Millionen Mitglieder fühlen sich bevormundet. Sie erwarten Hilfe im Notfall, keine klimapolitischen Belehrungen. Besonders brisant: Der ADAC weigert sich bislang, sich für die Aussagen zu entschuldigen.
Das Wichtigste in Kürze
- Rund 5000 ADAC-Mitglieder sind nach umstrittenen Aussagen ausgetreten
- Auslöser war die Unterstützung höherer Spritpreise zur Förderung von E-Autos
- Viele Mitglieder fühlen sich politisch belehrt statt unterstützt
- Der ADAC spricht von Missverständnissen, lehnt aber eine Entschuldigung ab
- Die Debatte trifft den Club im Kern seines Selbstverständnisses
Warum treten aktuell so viele Mitglieder aus dem ADAC aus?
Viele Mitglieder sind ausgetreten, weil sie höhere Spritpreise und klimapolitische Aussagen des ADAC als Bevormundung empfinden und vom Club Neutralität erwarten.
Wut unter den Mitgliedern: Vertrauen erschüttert
Seit Tagen brodelt es unter den rund 22 Millionen ADAC-Mitgliedern. Viele zahlen ihre Beiträge ausschließlich, um im Pannenfall schnelle Hilfe zu erhalten. Die aktuellen Aussagen zur CO₂-Bepreisung werden jedoch als politischer Aktivismus wahrgenommen. Besonders Fahrer von Benzin- und Dieselautos fühlen sich angegriffen. Sie sehen ihre Lebensrealität ignoriert. Der Vertrauensverlust ist deshalb erheblich. Austritte sind für viele ein deutliches Protestsignal.
Die umstrittenen Aussagen von Gerhard Hillebrand
In einem Interview mit der Neue Osnabrücker Zeitung erklärte Hillebrand, höhere Spritpreise seien ein geeignetes Instrument zur Erreichung der Klimaziele. Menschen bräuchten finanzielle Anreize, um vom Verbrenner auf E-Autos umzusteigen. Diese Worte wirkten klar und unmissverständlich. Viele Mitglieder sahen darin eine Abkehr von der Rolle als Interessenvertreter der Autofahrer. Die Reaktionen folgten prompt. Die Kritik entlud sich öffentlich und in Austritten.
Mitgliedsbeiträge und Erwartungen der Autofahrer
ADAC-Mitglieder zahlen jährlich zwischen 54 und 139 Euro. Dafür erwarten sie konkrete Leistungen. Politische Positionierungen gehören für viele nicht dazu.
| Mitgliedschaft | Jahresbeitrag |
|---|---|
| Basis | ca. 54 € |
| Plus / Premium | bis ca. 139 € |
Viele Autofahrer empfinden es als unfair, mit ihrem Beitrag Aussagen zu finanzieren, die ihren Interessen widersprechen. Besonders Pendler und Menschen im ländlichen Raum fühlen sich missverstanden. Für sie ist der Umstieg auf E-Autos oft keine realistische Option. Die Erwartungshaltung an den ADAC ist deshalb klar funktional geprägt.
ADAC reagiert: Keine Entschuldigung, nur Klarstellung
Trotz der Austrittswelle bleibt der ADAC bei seiner Linie. Eine Sprecherin bestätigte eine „mittlere vierstellige Zahl“ an Austritten. Gleichzeitig betonte sie, man beantworte Mitgliederanfragen individuell. Eine Entschuldigung gibt es nicht. Stattdessen spricht der Club von Missverständnissen. Man sei grundsätzlich gegen eine zusätzliche finanzielle Belastung von Autofahrern. Diese Kommunikation überzeugt viele Kritiker jedoch nicht.
Das Argument der Entlastung beim CO₂-Preis
Nach Darstellung des ADAC habe Hillebrand eigentlich Entlastungen gefordert. Der CO₂-Preis müsse sozial abgefedert werden, um Überforderung zu vermeiden. Genau dies habe man auch politisch eingefordert. Kritiker halten dagegen, dass diese Relativierung im Interview nicht erkennbar gewesen sei. Die ursprünglichen Aussagen wirkten eindeutig. Für viele Mitglieder kommt die Klarstellung zu spät. Das beschädigte Vertrauen lässt sich so kaum reparieren.
Klimaziele, Verbrenner-Aus und politische Positionierung
Hillebrand äußerte sich auch kritisch zu EU-Plänen, das Verbrenner-Aus zu lockern. Er warnte davor, Klimaschutzziele abzuschwächen. Europa müsse an ehrgeizigen CO₂-Minderungen festhalten, um die Erderwärmung zu begrenzen. Diese Aussagen verstärkten den Eindruck politischer Einmischung. Gerade von einem Automobilclub erwarten viele Neutralität. Die Debatte zeigt, wie schmal der Grat zwischen Interessenvertretung und Politik ist. Der ADAC steht nun vor einer strategischen Richtungsfrage.
Fazit
Die Austrittswelle zeigt einen tiefen Riss zwischen ADAC-Führung und Basis. Viele Mitglieder fühlen sich bevormundet und nicht mehr vertreten. Die Weigerung, sich klar zu entschuldigen, verschärft den Konflikt zusätzlich. Für den ADAC geht es jetzt um Glaubwürdigkeit und Identität. Ob der Club verlorenes Vertrauen zurückgewinnen kann, bleibt offen. Sicher ist nur: Die Debatte um Spritpreise und Klimaziele hat den ADAC empfindlich getroffen.