Porsches Absturz: Die wahren Gründe
Der Absturz von Porsche wird oft mit China, Zöllen oder der allgemeinen E-Auto-Schwäche erklärt. Das greift zu kurz. Die Krise ist vor allem hausgemacht. Strategische Zickzack-Entscheidungen, teure Fehlentwicklungen bei Elektromodellen und massiver finanzieller Druck aus der Eigentümerstruktur haben den Konzern in eine gefährliche Schieflage gebracht. Nicht externe Märkte, sondern interne Fehlsteuerung und Dividendenzwänge stehen im Zentrum des Problems.
Das Wichtigste in Kürze
- Der operative Gewinn brach 2025 dramatisch ein, die Rendite liegt nur noch bei 0,2 %.
- Der elektrische Taycan wurde zum Symbol für Qualitätsprobleme und Wertverlust.
- Porsche steckt bei E-Autos in einer Preisfalle zwischen Marge und Nachfrage.
- Strategische Kurswechsel kosten Milliarden und zerstören Planungssicherheit.
- Finanzielle Zwänge der Eigentümerfamilie bremsen notwendige Investitionen.
Warum steckt Porsche in der Krise?
Porsche leidet weniger unter China oder Zöllen als unter eigenen strategischen Fehlentscheidungen, Problemen bei Elektromodellen und starkem Dividenden- und Finanzdruck aus der Eigentümerfamilie.
Operativer Einbruch und alarmierende Kennzahlen
Die wirtschaftlichen Zahlen zeigen, wie tief die Krise reicht. In den ersten neun Monaten 2025 erzielte Porsche nur noch rund 40 Mio. Euro operativen Gewinn. Im dritten Quartal rutschte das Ergebnis sogar in einen operativen Verlust von 966 Mio. Euro. Die operative Rendite liegt damit bei nur 0,2 %. Für einen Hersteller, der jahrelang zweistellige Margen gewohnt war, ist das ein Schock.
Diese Entwicklung signalisiert strukturelle Probleme. Kurzfristige Marktschwankungen können solche Zahlen nicht erklären. Das macht klar, dass interne Fehlsteuerung eine zentrale Rolle spielt. Der finanzielle Spielraum für Zukunftsinvestitionen schrumpft dadurch drastisch.
Der Taycan als Symbol gescheiterter E-Strategie
Der Taycan sollte Porsches elektrisches Aushängeschild sein. Stattdessen wurde er zum Krisensymbol. Die Absätze haben sich etwa halbiert. Gleichzeitig häufen sich Berichte über Softwarefehler, Ladeabbrüche und Rückrufe wegen Brandgefahr. Hinzu kommt ein massiver Wertverlust am Gebrauchtwagenmarkt. All das beschädigt das Markenversprechen „deutsche Perfektion“.
Kunden erwarten bei Porsche technische Reife und Zuverlässigkeit. Gerade im Premiumsegment werden Fehler nicht verziehen. Das zeigt, dass der Taycan nicht nur ein Modellproblem ist, sondern das Vertrauen in die gesamte E-Strategie untergräbt.
Preisfalle und teure Technologie bei Elektroautos
Porsche steckt in einer klassischen Preisfalle. Hohe Preise sind nötig, um die teure Batterietechnik und Entwicklungskosten zu decken. Gleichzeitig schrecken genau diese Preise viele Kunden ab. Senkt Porsche die Preise, bricht die Marge weg. Hebt man sie an, sinkt der Absatz.
Diese Zwickmühle ist besonders gefährlich im Premiumsegment. Dort erwarten Käufer Innovation, aber auch ein stimmiges Gesamtpaket. Die Elektromobilität wurde strategisch zu schnell und zu kompromisslos forciert. Das rächt sich nun finanziell. Der Konzern findet keinen sauberen Ausweg aus diesem Dilemma.
Strategische Zickzack-Kurse bei Produkten und Software
Ein zentrales Beispiel ist das Projekt K1. Der große Luxus-SUV war zunächst als reines E-Modell geplant. Später wurde er teuer auf Verbrenner und Hybrid umgebaut. Allein dieser Kurswechsel soll über 1,3 Mrd. Euro gekostet haben. Hinzu kommen weitere Investitionen.
Parallel scheiterte der Software-Fokus über Car.Software und Cariad. Der elektrische Macan verzögert sich. Der profitable Verbrenner-Macan verschwand wegen EU-Cybersecurity-Regeln vom Markt, obwohl die Nachfrage hoch war. Solche Entscheidungen zerstören Vertrauen bei Kunden und Händlern. Planungssicherheit sieht anders aus.
China verliert, USA stützen noch
In China hat Porsche massiv an Boden verloren. Die Verkäufe sanken binnen vier Jahren von rund 95.000 auf etwa 40.000 Fahrzeuge. Chinesische Kunden bevorzugen heute „Smartphones auf Rädern“ lokaler Marken wie Xiaomi. Software, Vernetzung und Preis-Leistung zählen dort mehr als traditionelles Prestige.
Porsches Image wirkt veraltet. In den USA zeigt sich ein anderes Bild. Dort legten die Auslieferungen in den ersten neun Monaten 2025 noch um rund 5 % zu. Dieser Markt stabilisiert den Konzern vorerst. Er kann die strukturellen Probleme aber nicht dauerhaft ausgleichen.
Eigentümerfamilie, Dividenden und Führungswechsel
Ein besonders heikler Punkt ist der Familienfaktor. Innerhalb der Porsche-Piëch-Familie sollen hohe Kredite bestehen. Hans Michel Piëch wird mit rund 1,1 Mrd. Euro Verschuldung genannt. Das erhöht die Abhängigkeit von hohen Dividenden. Sinkende Ausschüttungen und ein um über 3 Mrd. Dollar gefallener Beteiligungswert verschärfen den Druck.
Notwendige Investitionen in Plattformen, Software und Transformation geraten ins Hintertreffen. Gleichzeitig gibt Oliver Blume den Porsche-Chefposten ab. Nachfolger Michael Leiters übernimmt einen Konzern mit Stellenabbau, halbiertem Börsenwert und DAX-Ausschluss. Ohne strukturelle Änderungen bleibt der Handlungsspielraum gering.
Fazit
Der Fall Porsche ist kein normales Konjunkturtief. Er ist das Ergebnis strategischer Fehlentscheidungen, teurer Kurswechsel und finanzieller Zwänge aus der Eigentümerstruktur. Elektromobilität, Software und Premiumanspruch wurden nicht sauber zusammengeführt. Die kommenden Jahre entscheiden, ob Michael Leiters die Identitätskrise lösen kann. Gelingt das nicht, droht aus der aktuellen Schwäche ein langfristiger Abstieg. Für Porsche steht mehr auf dem Spiel als nur ein schwaches Geschäftsjahr.