Studie: Neue Ursache für COVID-19 Impf-Thrombosen entdeckt?

Neue Forschungsergebnisse liefern eine mögliche Erklärung für seltene, aber schwere Thrombosen nach bestimmten COVID-19-Impfstoffen. Im Fokus steht die sogenannte vakzin-induzierte immunthrombotische Thrombozytopenie, kurz VITT. Eine internationale Studie analysierte die genomischen Profile von 100 betroffenen Patienten nach Adenovirus-Vektorimpfstoffen. Die Ergebnisse zeigen, dass veränderte Antikörper, genetische Faktoren und frühere Adenovirus-Infektionen zusammenwirken könnten. Damit rückt erstmals ein konkreter biologischer Mechanismus in den Mittelpunkt – und eröffnet Perspektiven für noch sicherere Impfstoffe.

Studie: Neue Ursache für COVID-19 Impf-Thrombosen entdeckt?
Studie: Neue Ursache für COVID-19 Impf-Thrombosen entdeckt?

Das Wichtigste in Kürze

• VITT ist eine seltene, aber lebensbedrohliche Nebenwirkung nach Adenovirus-Vektorimpfstoffen.
• Eine Mutation bestimmter Antikörper kann dazu führen, dass sie Blutplättchen angreifen.
• Frühere Adenovirus-Infektionen könnten die Immunreaktion verstärken.
• Alle untersuchten Patienten trugen einen gemeinsamen Genotyp.
• Die Erkenntnisse könnten helfen, Impfstoffe künftig noch sicherer zu machen.

Was ist VITT und wie häufig tritt sie auf?

Die vakzin-induzierte immunthrombotische Thrombozytopenie, auch Thrombose-mit-Thrombozytopenie-Syndrom genannt, ist eine seltene Komplikation. Sie wurde nach Impfungen mit Adenovirus-Vektorimpfstoffen beobachtet. Dabei greift das Immunsystem fälschlicherweise eigene Blutplättchen an. Diese verklumpen. In der Folge entstehen Blutgerinnsel. Gleichzeitig sinkt die Zahl der Blutplättchen im Blut.

Gesundheitsbehörden schätzen das Risiko bei dem Impfstoff von AstraZeneca auf etwa 1 von 50.000 Geimpften unter 50 Jahren. Bei Personen über 50 Jahren lag die Häufigkeit bei etwa 1 von 100.000. Beim Impfstoff von Johnson & Johnson trat VITT seltener auf, ungefähr bei 1 von 100.000 Geimpften unter 49 Jahren. Trotz der Schwere bleibt die Komplikation insgesamt sehr selten.

Die internationale Studie im New England Journal of Medicine

Die neue Studie wurde im renommierten „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht. Forscher aus Australien, Deutschland und Kanada analysierten die genomischen Profile von 100 Patienten. Alle hatten nach einem Adenovirus-Impfstoff VITT entwickelt.

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Die Wissenschaftler untersuchten gezielt die Struktur der Antikörper. Ziel war es, den genauen Mechanismus hinter der Fehlreaktion zu verstehen. Jing Jing Wang von der Flinders University erklärte, man habe damit ein fehlendes Glied identifiziert. Es zeige, wie eine normale Immunantwort in seltenen Fällen schädlich werden könne.

Die Studie gilt als Durchbruch. Denn bisher war unklar, warum diese Nebenwirkung nur bei sehr wenigen Menschen auftrat.

Wie mutierte Antikörper Blutgerinnsel auslösen

Normalerweise produziert das Immunsystem Antikörper gegen Fremdstoffe. Impfstoffe imitieren eine Infektion. Dadurch entsteht eine schützende Immunantwort. Auch nach Adenovirus-Impfstoffen wurden große Mengen Antikörper gebildet.

Im Fall von VITT trat jedoch bei einigen Antikörpern eine spezifische Mutation auf. Diese veränderte ihre Bindungseigenschaften. Ein Protein der verwendeten Adenoviren ähnelt strukturell einem Teil des menschlichen Plättchenfaktors 4. Dieses Protein spielt eine wichtige Rolle bei der Blutgerinnung.

Durch die Mutation banden die Antikörper nicht mehr primär an Virusbestandteile. Stattdessen hefteten sie sich an Blutplättchen. Die Folge war eine Aktivierung der Plättchen. Es kam zu Verstopfungen in Blutgefäßen. Tom Gordon betonte, dass das Zusammenspiel aller Faktoren extrem selten sei. Das erkläre die außergewöhnliche Seltenheit der Komplikation. Theodore Warkentin ergänzte, die Mutation könne zufällig entstehen.

Genetische Veranlagung und frühere Adenovirus-Infektionen

Die Forscher fanden weitere Hinweise. Viele Patienten reagierten sehr schnell auf den Impfstoff. Das deutet auf eine frühere Adenovirus-Infektion hin. Adenoviren verursachen unter anderem Erkältungen.

Außerdem trugen alle 100 untersuchten Patienten einen gemeinsamen Genotyp. Dieses Gen kommt bei etwa 60 Prozent der Menschen europäischer Abstammung vor. Laut Warkentin könnte VITT nur bei Menschen mit diesem Genotyp auftreten. Dennoch seien Ausnahmen möglich.

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Die Kombination aus genetischer Veranlagung und immunologischer Vorerfahrung könnte das Risiko erhöhen. Bei erneuter Begegnung mit Adenovirus-Bestandteilen reagiert das Immunsystem möglicherweise besonders stark. In sehr seltenen Fällen entstehen dann schädliche Antikörperveränderungen.

Zusammenhang mit Adenovirus-Anteil der Impfstoffe

Bereits 2022 hatten dieselben Forscher vermutet, dass der Adenovirus-Anteil verantwortlich sein könnte. Nicht andere Bestandteile des Impfstoffs, sondern der Vektor selbst stand im Verdacht. Die neuen Daten stützen diese Annahme.

Interessant ist, dass auch natürliche Adenovirus-Infektionen ähnliche Gerinnungsstörungen auslösen können. Warkentin vermutet zudem, dass andere Viren vergleichbare Mechanismen triggern könnten. Das zeigt, dass das Phänomen nicht ausschließlich impfstoffspezifisch ist.

Gleichzeitig gibt es andere Studien, die seltene Blutgerinnungsereignisse auch mit COVID-19-Infektionen oder mRNA-Impfstoffen in Verbindung bringen. Dort wird ein möglicher Zusammenhang mit dem Spike-Protein diskutiert. Der genaue Mechanismus ist jedoch weiterhin nicht vollständig geklärt.

Perspektiven für sicherere Impfstoffe und offene Fragen

Die neuen Erkenntnisse liefern eine konkrete mechanistische Erklärung. Sie zeigen, wie genetische Prädisposition, frühere Virusbegegnung und Antikörpermutation zusammenwirken können. Dennoch bleibt offen, warum genau diese Mutation entsteht.

Immunreaktionen unterscheiden sich stark zwischen Individuen. Gordon betonte, dass diese Variabilität genetisch verankert sei. Sie sei bislang kaum erforscht. Jeder Mensch reagiert anders. Ein kleiner Prozentsatz reagiert unerwartet.

Für Impfstoffhersteller eröffnen sich neue Möglichkeiten. Künftige Formulierungen könnten so angepasst werden, dass diese seltene Fehlreaktion nicht ausgelöst wird. Damit trägt die Forschung dazu bei, Impfstoffe noch gezielter und sicherer zu gestalten.

Fazit

Die Studie liefert erstmals eine schlüssige Erklärung für seltene Thrombosen nach Adenovirus-Vektorimpfstoffen. Eine Kombination aus mutierten Antikörpern, genetischer Veranlagung und früheren Adenovirus-Infektionen scheint entscheidend. Trotz der Seltenheit ist das Verständnis des Mechanismus ein wichtiger Schritt. Es stärkt die wissenschaftliche Transparenz und ebnet den Weg für noch sicherere Impfstoffe in der Zukunft.

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